und was ist mit den Bändern??

Und was ist mit den Bändern??

Für immer innen ausgeleiert??

Ist das denn überhaupt zu ändern, wenn nach Schwangerschaft und Geburt die "Haltegurte" der Gebärmutter beispielsweise überdehnt und locker in Mamas Bauch zurückbleiben? Ist das denn nicht ähnlich wie bei einem umgeknickten Fuß, dass der Bandapparat am Sprunggelenk nicht mehr so stabil zusammenhält und man häufiger zu erneuten Verletzungen neigt? 

Baumelt dann der Uterus im freien Fall durch den Beckenraum?

 

Zuallererst sei wiederholt>>> wie unglaublich genial und fein ausgeklügelt unser Körper auch so große Transformationsanforderungen wie weiblichen Zyklus, Schwangerschaften auch von Mehrlingen und anschließende postnatale Trage- und Stillzeit wuppt.

1f4aa.png

1f496.png

 thankyouforperfectphysiology

1f64f.png

Auch die Bänder der Gebärmutter sind also dafür ausgelegt, kontinuierliche Veränderungsprozesse zu durchlaufen. Da der Uterus auch ohne Baby drin sowohl Form als auch Position wechselt, je nach Zyklusmoment, Verdauungsphase und den  natürlichen Abläufen in anderen Organen im Bauch- und Beckenraum, ist hier viel Spielraum möglich. Die Bänder der Gebärmutter halten also nicht stumpf und volle Pulle krampfhaft alles an nur einem Platz, um dann selbst durch maßlose Überdehnung wegen Babywachstum außer Form gebracht und als schlackernde Schnüre funktionslos zurückzubleiben. Sie verstehen prinzipiell ihr Handwerk mit verschiedensten Druckverhältnissen und Zugrichtungen umzugehen, ohne selbst Schaden zu nehmen. 

 

Ein bisschen hinkt im wahrsten Sinne des Wortes ja ein Bändervergleich zwischen z.B. denen des Sprunggelenks und denen der Gebärmutter. Am Knöchel haben wir straffe Strukturen, die verschiedene Gelenkteile miteinander verbinden und trotz Bewegungsvarianten auf superduper-Festigkeit und Stabilität ausgelegt sind. Wir bekommen ein klares Bild von der Funktion der Bänder und können so einige am Fuß sogar berühren und gut ausfindig machen. Was wir dabei leicht übersehen ist, dass die eigentliche Zusammenhaltskraft des Gelenks durch die Gelenkkapsel entsteht, durch den strammen Überzug des inneren Bindegewebes. Innerhalb dieser Kapsel kann überhaupt erst die notwendige Gelenkflüssigkeit am richtigen Platz bleiben. Die Bänder dran und drum dienen der zusätzlichen Fixierung.

 

Wie schauts im Beckenraum aus?

Auch hier lässt Wunderwerk Körper nichts anbrennen: Die Bänder sind auch hier nicht isolierte Kordeln, mühsam irgendwo angetackert. Sie sind vielmehr die gurtmäßigen Verdickungen innerhalb des Gewebes, die die einzelnen Organe umschließen und intensiv mithelfen sie am Platz zu halten. Die Qualität des innenliegenden Gewebes, unseres alles in uns ausfüllenden Bindegewebes ist also auch entscheidend für unsere Körpermittegesundheit. Wie siehts damit denn aus nach einer Schwangerschaft oder Bauch-OP?

 

Wir Damen gelten auch in der Sportwissenschaft gemeinhin als Faszien-dominant, während die Herren als Muskel-Dominant betitelt werden. Hierdurch wird natürlich mit einem Wort deutlich, dass wir Frauen die Hüterinnen des weichen flexiblen, veränderlichen, nachgiebigen Gewebes sind durch den geringeren Muskelanteil und höheren Bindegewebsanteil innerhalb unseres Körpers.

Dies gilt auch für die Unterschiedlichkeit des Beckenbodens - der weibliche Beckenboden besteht zu rund 60 % aus faszialen Strukturen und 40% Muskulatur , während es bei den Männern genau umgekehrt ist. Auch im Unterboden ist alles dafür vorbereitet, in Schwangerschaft und vor allem der Geburt eines Babys die Bauchhöhle und den Ausgang in die Welt für Mama und Kind so dehnbar und funktionsflexibel zu gestalten. Durch das innenliegende Bindegewebe sind wir quasi Transformers. Auch die Gebärmutter ist in bindegewebiger Hülle gelagert und findet ebenfalls wie andere Organe in Bauch-und Beckenraum ihren Halt. Eingeschlagen in Faszien-Laken dient eben auch diese Hülle ihrer Positionsverankerung und wird als Band bezeichnet, obwohl wir eben nicht wie am Fuß eine tastbare kordelartige Struktur vorfinden. Diese gibt es an der Gebärmutter zusätzlich, um eben ihren Platz zu wahren, der normalerweise leicht nach vorn gekippt oberhalb der Harnblase ist.

Aber schon was den „richtigen Platz“ angeht, gibt es schon eine > im wortgemäßen Sinne Bandbreite individueller Möglichkeiten, die nicht gleich pathologisch sind oder Kummer machen müssen. Die Bänder befinden sich also auch in individueller Position, je nach individuellem Frauenkörper. Wir gehen also erstmal davon aus, dass wir innerhalb eines gesunden Spektrums eine individuelle Variabilität in unserem Inneren tragen, wie äußerlich ja auch.

Organe und Bänder wissen prinzipiell Bescheid, was wie zu tun ist, wenn Druckerhöhungen, Platzmangel, zusätzliche Organe wie Plazenta und zusätzliches, wachsendes Leben bei Schwangerschaft die weibliche Körpermitte herausfordert.

 

Individuell verläuft ebenso der gesamte Rückbildungsprozess, vielfache Einflüsse wirken darauf ein und können diesen entweder unterstützen, frei laufen lassen oder behindern. Sich hier entsprechend selbstfürsorgend die Wochenbett, Trage- und Stillzeit und die ersten 2 Jahre nach einer jeden Geburt als Mama so körpermittefreundlich wie möglich zu gestalten macht in jeder Hinsicht tiefen Sinn. Denn die Regeneration des Fasziengewebes ist ein bedeutsamer Prozess, der genau die Frage nach der Haltekraft der Bänder und der Pole Position der Gebärmutter in aussichtsreiche Antwortrichtung lenkt.

 

Auch unverletzte Bandstrukturen, die also weder angerissen oder durchgerissen sind, brauchen nach der Dehnung und Weite während der Schwangerschaftsmonate wieder Zeit für Erholung. Diese steht in ständiger Korrespondenz zu den Umbauprozessen der Umgebung, des gesamten mütterlichen Organismus. Auch wie die knöchernen Strukturen nach einer jeden Geburt sich vielleicht verändert haben in ihrer Stellung beeinflusst die Bänder der Bauch-und Beckenhöhle. Besonders das Steißbein ist hier als einer der Brückenpfeiler für das Haltegewebe für alle hier ansässigen Organe von zentraler Bedeutung. Hat es nach der Geburt jetzt eine andere Haltung eingenommen, steht es also nun mehr nach innen gekippt, gedreht, vielleicht sogar selbst verletzt? Auch die Beckenringe und die Symphyse spielen eine Rolle für die Ausrichtung der ansetzenden Bänder. Je nach Geburtsverletzungen, von denen wir leider immer noch inakzeptabel viele haben in den klinischen settings plus eine unzumutbar hohe Kaiserschnittrate weltweit, und nach heilungsförderlichen Bedingungen in der postnatalen Zeit haben es eben auch die Bänder leichter oder schwerer wieder in zugkräftige Form zu kommen. 

 

Zusammengefasst: Wir schauen also auf die Biomechanik der gesamten Körpermitte, um die Bandqualität zu erfassen. Dabei schließen wir uns der Fachmeinung an, lieber von intrinsischen Bändern zu sprechen, anstatt von der irreführenden Unterteilung in echte und falsche Bänder. Die genaue Lokalisation, wo welches Haltegewebe gerade nicht wieder vollends fit ist, um z.B. die Gebärmutter mittig im Bauch zu halten oder auch Blase oder Darmschlingen ist dagegen eine sehr lohnenswerte Untersuchung. Um so direkter kann entsprechend die Hilfe oder Therapie erfolgen.

 

Das HypocoreTraining, also die Übungsfolgen mit Druckumkehrprinzip, liefern hier wieder bestmögliche Einsatzbereitschaft. Für Fasziendominante ist es per se ein Instrument, das sich in vielen Lebenslagen anbietet, da HypopressivTechniken im Fasziengewebe den Hauptadressaten anvisieren. Die Impulse für Heilungsprozesse durch Hypocore, die durch Durchblutungsförderung, Verbesserung der Nährstoffversorgung, Tonisieren und  Platzschaffen im Sinne konstruktiver Innenarchitektur auch auf Bandstrukturen einwirken, lassen sich spüren. Sich hängen lassen steht also nicht auf dem Lebensplan und entspricht nicht der Materialbeschaffenheit.

 

Dazu schauen wir uns in den nächsten Blogartikeln auch immer wieder das Faziengewebe genauer an. 

 

Du hast Fragen zum Beitrag oder magst mehr Infos zu unseren Hypocore-Trainings?

 

Schreib uns gern: britt@hyposoul.com

                             hannes@corepus.com